über den Wassern zu Singen
Es gibt Abende, die sind einfach zum Hinknien schön. Nach Jahren der Abstinenz entschloss sich der Inntalchor wieder zu einer Aufführung am Luegsteinsee. Die romantische Nacht mit dem Titel "Über den Wassern zu singen" lockte fast 400 Besucher - darunter viele treue Fans des Chors - an diesen magischen Ort unter der Luegsteinwand, die im Berliner Waldbühnenstil mit Isomatte ausgerüstet und Prosecco schlürfend trotz eher kühler Temperaturen förmlich dahinschmolzen.
Zugegeben: Man musste generell romantisch veranlagt sein, sich einlassen können auf die Zauberwelt der Elfen, Nymphen und Wassergeister, um den Abend genießen zu können - und man durfte sich nicht ablenken lassen. Etwa von der ziemlich wild geratenen, aus Malergerüsten und Dachplanen gefertigten Dachkonstruktion, die das Orchester beschirmte. Es sei etwas dezimiert, wie es der Komponist, Arrangeur, Dirigent, Pianist und Regisseur Jürgen Doetsch mit bubenhaften Lächeln formulierte. Schließlich habe die Wirtschaftskrise auch vor dem Inntalchor nicht halt gemacht, räumte er wohl mit Blick auf manch finanzielle Untiefe ein, die der markanteste und originellste Kulturschaffende aus Oberaudorf mit seinen Aufführungen in der Vergangenheit zu durchleben hatte.
Tatsächlich präsentierte sich der Chor in etwas kleinerer Zahl. Doch der Blick in die Runde zeigte, dass mit Anna Resch, Hans Petrat, Hans Gfäller, Susi Hirl oder Anahita Asef die sängerischen Urgesteine des Inntalchors und viele weitere treue Inntal-Chorsänger als feste Größen sozusagen "an Bord" der im See verankerten Bühne waren. Das Programm war - dem Motto des Abends entsprechend - durchdrungen von romantischen Stücken. Es reichte von den "Kosenden Wellen" von Franz Lehár bis zu sagenumwobenen Gestalten wie Undine oder Oberon und mündete in unheimlich schöne Sequenzen aus dem "Fliegenden Holländer" - dargeboten nach der Originalpartitur von Richard Wagner, was durchaus eine Herausforderung für das kleine Orchester bedeutete, dem Konzertmeister und erster Violinist Jürgen Besig vorstand.
Beifall gab es aber nicht nur für Musiker und Sänger, sondern auch für die Tanzdarbietungen der zauberhaften Nixen, die - angeführt von der Kiefersfeldener Bollywood-Tanz-Europameisterin Katharina Glas - zu den Klängen des Finales aus der Oper "Undine" schließlich noch im Dunkel des Luegsteinsees entschwanden. Bei Wassertemperaturen von etwa 17 Grad und leichten Nebelschwaden ein Abgang, der geradezu Bravorufe des Publikums heraufbeschwören musste. Tosender Applaus auch für die beeindruckenden Lichtprojektionen an der gegenüberliegenden Luegsteinwand sowie die ausgezeichnete Tontechnik von "Tonwerk". Hätte man bei all' den Zauberwesen am Luegsteinsee einen Wunsch frei gehabt, dann wohl nur den einen: Wir wollen mehr!
(Quelle: © OVB-Online, mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)
